RESQ-Tipps I

Der Patient atmet nicht oder unzureichend? Die Maskenbeatmung ist insuffizient?
Der Mund lässt sich auch nicht so richtig öffnen? Die Sättigung fällt und fällt?
Zeit für Plan B... das 'modified nasal trumpet (MNT) maneuver'

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Wenn man die Techniken des Airway-Managements alle beherrscht, diese regelmäßig anwendet und/oder trainiert und man dann in einer Notfallsituation die Ruhe bewahrt, sind sicher die besten Voraussetzungen gegeben, dass der Patient keinen Schaden nehmen wird. Im Zeitalter der Videolaryngoskopie hat der Atemweg auch für viele Nicht-Anästhesisten an Schrecken verloren - eine gefährliche Überheblichkeit, der man nicht nachgeben sollte. Fiberoptische Intubationen werden immer seltener durchgeführt, die Koniotomie rückt auch immer weiter in den Hintergrund... letztlich führ dies einzig und allein dazu, dass die entscheidenden Techniken im Fall des Falles nicht mehr beherrscht werden, man mit dem Equipment nicht vertraut ist, usw.

Leider gibt es ihn aber doch, diesen einen Patienten, der nicht so mitspielen will und der einem mit jedem tiefer werdenden Piepton des Pulsoxymeters den eigenen Puls immer weiter in die Höhe schnellen lässt. Und leider werden in diesen Situationen die gelernten Strategien nicht angewendet oder erinnert, man laryngoskopiert und laryngoskopiert... jeder kennt die einschlägigen Berichte.

Dementsprechend will man eine Ventilation irgendwie sicher stellen können, aber wenn die Maske nicht dicht schließt, der Guedel nichts bringt, an der Larnyxmaske pfeift alles vorbei, die Intubation funktioniert nicht und der wahrscheinlich auch noch adipöse Patient ohne jegliche Reserve wird blauer und blauer... man befindet sich mitten in einem cannot-ventilate/cannot-intubate Szenario.

Charles Beattie (PhD, MD, Department of Anesthesiology, Vanderbilt University Medical Center) beschreibt 2002 eine bereits 1969 entwickelte Strategie, die in Vergessenheit geraten war, aber in der Lage ist, den Patienten unter Umständen vor einer Koniotomie und hypoxischen Schäden zu bewahren oder zumindest die Zeit der Vorbereitung einer fiberoptischen Intubation suffizient überbrücken kann. 

Das 'modified nasal trumpet (MNT) maneuver' macht sich die praktische Tatsache zunutze, dass die Konnektoren der Standard-Tuben für Erwachsene (7,0-8,0) in der Regel auch in die Öffnungen der Nasopharyngealtuben (Wendl, NPA - nasopharyngeal airway, 7,5-8,5mm / 30-34Fr.) passen. Ein 'Wendl' ist in der Regel schnell und atraumatisch gelegt und mittels Abdichtung von Mund und Nase eine Ventilation über einen Beatmungsbeutel oder sogar Beatmungsgerät gut möglich. Beschrieben wird auch eine Methode in "Stereo", hierbei verringere sich der Widerstand und damit der Beatmungsdruck sowie die Leckage. Für den "DOUBLE modified nasopharyngeal airway" benötigt man entsprechend 2 NPA und einen für die Doppellumentuben verwendeten Beatmungskonnektor.

Die Methode wird im Vergleich mit einer Maskenbeatmung mit Oropharyngealtubus (Guedel, oropharygeal airway OPA) als einfacher, schneller, atraumatischer und besser abdichtend beschrieben und stellt damit eine gute Alternative dar, die man auf jeden Fall im Hinterkopf behalten sollte. Zudem ist es eine Lösung, die man ohne große Kosten bereits vorbereitet im Notfall-Wagen z.B. vorhalten kann.

Eine zusätzliche Fenestrierung vergleichbar mit einem Murphy-Auge eines Endotracheal-Tubus ermöglicht einen Gasfluss auch bei Verlegung des distalen Lumens.

In den Studien mit immerhin >400 Patienten wurden die MNT an spontanatmenden und beatmeten Patienten ausprobiert.


Literatur:
Anesth Analg. 2002 Feb;94(2):467-9,
Br J Anaesth 2003; 90: 388±91
Br J Anaesth 2004; 92: 694±6
Anesthesiology 9 2016, Vol.125, 596. 


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