Glyceroltrinitrat (GTN, Nitro)

Eine Risiko-Nutzen-Abwägung ist wie bei jedem Medikament sinnvoll. Dass GTN bei einem RRsyst<90mmHg kontraindiziert ist, ist i.d.R. auch allen Anwendern bekannt. Eine weitere Kontraindikation laut Guidelines der American Heart Association (AHA) ist auch die Tachykardie - bei bisher schwacher Evidenz. 

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Von 2010-2012 wurden nun retrospektiv prähospitale Einsätze bei "chest pain"-Patienten ausgewertet - insgesamt erhielten 10.308 Patienten GTN, 2.057 davon waren vor s.l.-Applikation tachykard (>100/min)

Eine Hypotension wurde bei insgesamt 320 Patienten registriert (3.1%)

- bei 239 von 8251 Patienten ohne Tachykardie (vor GTN)

- bei 81 von 2057 Patienten mit Tachykardie (vor GTN)

Dementsprechend konnte statistisch signifikant nachgewiesen und somit bestätigt werden, dass eine vorbestehende Tachykardie einen Risikofaktor für Hypotension nach Gabe von Glyceroltrinitrat darstellt. Zudem fielen die Blutdruckabfälle bei tachykarden Patienten ausgeprägter aus.

Allerdings konnte man in der Untersuchung feststellen, dass der niedrigere "Ausgangs-druck" einen deutlich höheren Risikofaktor darstellt, was auch logisch erscheint. Eine Gabe von GTN bei einem systolischen Blutdruck <90mmHg gilt ja auch bekanntermaßen als Kontraindikation.

Insgesamt ist das absolute Risiko auf Verabreichung von "Nitro-Spray" einen Blutdruckabfall zu erleiden bei Patienten mit Brustschmerz also nicht sehr hoch, bei zusätzlich bestehender Tachykardie signifikant höher.


Literatur:
Khan GM. Open Heart 2015;2:e000226


KK

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