Kohlenmonoxidvergiftung

Vergiftungen mit CO führen immer wieder zu Unsicherheit. Grund genug, hier mal ein paar Fakten dazu zusammenzutragen.

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Die tödliche Wirkung ist seit der Antike bekannt: Griechen und Römer setzten es bereits für Hinrichtungen ein und auch über Selbsttötungen mithilfe von CO wird berichtet. 

CO ist ein geruch- und geschmacksloses Gas ohne Reizkomponente und wird für den Menschen gefährlich, da es im Vergleich zu Sauerstoff eine 200 - 300-fach höhere Affinität zu Hb hat, wodurch der Sauerstofftransport behindert und die Bindung von O2 zu Hb verstärkt wird, sodass auch die Abgabe erschwert ist (Haldane-Effekt). Bereits 0,1% CO in der Raumluft können eine tödliche CO-Intoxikation verursachen.

Die Symptome sind recht unspezifisch und nicht nur vom tatsächlichen CO-Hb-Gehalt abhängig, sondern v.a. auch vom Gesundheitszustand (KHK, COPD, Anämie), dem Atemminutenvolumen und der Expositionsdauer.

Prinzipiell ensteht CO bei JEDER Verbrennung, v.a. aber bei der unvollständigen Verbrennung kohlenstoffhaltiger Substanzen:

• Kohle

• Erdölprodukte (Benin, Kerosin, Heizöl)

• Holz

• Kunstoffe

• Erdgas


Die Diagnose wird klinisch gestellt, entscheidend ist, überhaupt daran zu denken!

Falls eine CO- oder CO-Hb-Messung verfügbar ist, umso besser, aber die Klinik führt!

• Bewußtlosigkeit

• Kopfschmerz

• Druckgefühl und/oder Schmerzen in der Brust

• Übelkeit, Schwindel

• Plötzlicher Hörverlust im Zusammenhang mit Rauch/Gas


Der Zusammenhang zwischen Symptomen und CO-Hb-Spiegel ist unsicher.

Folgende Aussagen scheinen aber Gültigkeit zu haben: 

• je mehr CO-Hb, desto ausgeprägter die Symtomatik

• je mehr oder schwerwiegender die Begleiterkrankungen (KHK, COPD, Anämie) desto schwerwiegender die Symptomqtik

• ungeborene und Säuglinge sind besonders gefährdet (HbF)


Hb-CO Anzeichen, Symptome

3 - 5 % Verminderung der körperl. Leistungsfähigkeit 

                 Bei Herzkranken können bereits Beschwerden ausgelöst werden 

5 - 15 % leichte, aber durch Messungen feststellbare Sehschwäche

10 - 20 % leichte Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unwohlsein, Herzklopfen

20 - 30 % Schwindel, Bewußtseinstrübung, Schlaffheit/Lähmungen

30 - 40 % Rosa-Färbung der Haut, Bewußtseinsverlust, Kreislaufkollaps

40 - 60 % tiefe Bewußtlosigkeit, Lähmungen, Körpertemperatur sinkt

60 - 70 % tödlich in 10 Minuten bis 1h

über 70 % tödlich in wenigen Minuten 


Bei Rauchern können durch Gewöhnung Werte bis 10% erreicht werden, einzelne Fälle bis 20% ohne Symptome sind beschrieben.


Therapie

Sofortmaßnahmen:

• Sauerstoffgabe (n.Möglichkeit 100 % O2(Reservoir!!!), FiO2 1,0) 

• ggf. Intubation mit FiO2 1,0 + PEEP bis zum Ausschluss einer CO-Intoxikation

• bei Bronchospasmus Betasympathomimetika inhalativ

• Kortikoide können derzeit nicht empfohlen werden

• Heparin p.inhal. bisher kein Standard, aber vielversprechend

• hyperbaren Oxygenierung (Druckkammer) v.a. bei CO-Hb > 20% + D-Problemen


Die Halbwertszeit für CO beträgt unter Raumluft 320 min

Unter einer FiO2 von 1,0 etwa 80 min

Unter hyperbarer Oxygenierungstherapie (HBO) bei 3 bar 23 min 


ACHTUNG - die immer wieder im Zusammenhang mit CO angeführte kirschrote Hautfarbe gilt nur für die postmortale Diagnostik. Lebende Patienten mit CO-Intoxikation haben ein eher blass-fahles bis gräulich-blasses Hautkolorit.

Daher ist es umso wichtiger, eine genaue Anamnese des Unfallhergangs zu erheben.

Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch eine Bestimmung des CO-Hb-Spiegels.


Die üblich eingesetzte Pulsoxymetrie schließt eine CO-Intoxikation nicht aus. 

COHb wird in der spO2-Messung fälschlich als funktionelles O2Hb fehlgedeutet. 

Neuere Pulsoxymeter können hier bereits unterscheiden.


Typische hellrote Leichenflecken am Rücken und Gesicht, rosarote Schleimhäute, rötliches Gewebe unter den Fingernägeln sowie lachsrote Muskulatur sollten dringend an eine CO-Intoxikation als Todesursache denken lassen und entsprechend den sofortigen Eigenschutz mit Expositionsbeendigung nach sich ziehen.

Ein CO-Warngerät sollte im Rettungsdienst unbedingt getragen werden.


Literatur:
Pharmakologie und Toxikologie, 2001
Rechtsmedizin 2008 · 18:392–396
Notfall Rettungsmed 2010 · 13:17–22
Rechtsmedizin 2015 · 25:101–106
Notfall Rettungsmed 2015 · 18:833–903
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), März 2016


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