Anwendung von Tourniquets

Handlungsempfehlungen des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zur prähospitalen Anwendung von Tourniquets.

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Die veröffentliche Handlungsempfehlung als .pdf-Datei findet ihr hier

Die Nachbetrachtungen von den Terroranschlägen in Paris z.B. haben u.a. ergeben, dass es den Kliniken an Tourniquets mangelte. Ein TQ ist also nicht nur ein Tool für das Militär oder vielleicht noch den Rettungsdienst, sondern auch für die Notaufnahme. Untersuchungen haben gezeigt, dass 67,5% der 2010 in Berlin prähospital verstorbenen Traumapatienten verblutet sind und mit dem Einsatz von Tourniquets u.U. überlebt hätte. (Auf den Einsatz von Tranexamsäure, Hämostyptika, u.a. werden wir an anderer Stelle noch eingehen)

Der Einsatz eines Tourniquets kann eine lebensbedrohliche Extremitätenblutung zeitnah und temporär durch Abbindung der arteriellen Blutzufuhr zu stoppen. Allerdings soll ein Tourniquet nur zum Einsatz kommen, wenn die Blutung durch andere Maßnahmen wie einen korrekt angelegten Druckverband nicht gestoppt werden kann oder die Umstände (Gefahrenlage) andere zeitaufwendigere Maßnahmen nicht zulassen.

Mobirise

Dabei ist auf folgende Komplikationen und Nebenwirkungen zu achten:

Mobirise

Vergleichbar ist der Einsatz von Tourniquets mit der Blutsperre bei operativen Eingriffen, die bis zu 120 min als gut verträglich gelten, erst nach Ablauf dieser Zeit werden zunehmend Komplikationen wie z.B. Nervenläsionen beschrieben.

Wie immer gilt eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung, die Risiken rücken bei der Gefahr des akuten Verblutens allerdings deutlich in den Hintergrund. Immer wieder gehen v.a. Gerüchte von Amputation der abgebundenen Extremität einher, die Erfahrungen aus aktuellen Konflikten konnte dies jedoch nicht bestätigen (Irak 0/428)

Mobirise

Die Anlage eines TQ erfolgt nach folgenden Kriterien:

Mobirise

Zusätzlich zu den o.g. Hinweisen gilt zu bedenken, dass bei Amputationsverletzungen die Blutungsquelle deutlich proximal der offensichtlichen Verletzung liegen kann. So kann es unter Umständen sinnvoll sein, die Anlage weiter proximal zu wählen, bzw.auch um ein zweites Tourniquet zu ergänzen.

Mobirise

Literatur: s.o.


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